Irgendwann ist es soweit.....

Am 28. Mai 2016 ist Moni in Neuhof am Strelasund an Bord gekommen. Hier sind wir wieder am 3. August gelandet, von Südschweden kommend, hat sich unser Kurs gekreuzt und die Rundreise ist zur Rückreise mutiert. Etwas Strecke haben wir noch vor uns, auf der Hintour mit David waren das 260sm, wir nehmen aber nicht den direkten Weg sondern wollen noch Helgoland und einen kleinen Abstecher zu den Ostfriesen machen. Mal schauen was das Wetter gestattet.

Ablegen von Neuhof soll am 11.8.16 sein, 12.20 Uhr wollen wir den Brückenzug Stralsund nehmen um die Nacht durchzufahren, Freitag Abend ist wieder Schietwetter übers Wochenende....

 

Das wurde natürlich nichts, abgelegt haben wir, aber als es Barhöft auf die Ostsee ging blies es uns in Bft6 aus West entgegen. Zwar in Böen aber da anzubolzen stand uns nicht der Sinn. Wir haben uns einen Ankerplatz bei Hiddensee gesucht und ersteinmal aus lauter Frust Mittagsruhe gehalten. Als dann der Wetterbericht am Abend abnehmende Winde versprach sind wir 18.30 Uhr gestartet.

Den Nothafen Darßer Ort hatten wir gegen 23.45 Uhr erreicht um ein paar Stunden zu schlafen denn 4.30 Uhr rief der Minion-Klingelton von Monis Handy und läutete das Ende der Nachtruhe ein. Am 12.8. auf Richtung Fehmarn, Wind in 4-5 aus SW.

Könnte prima zum Segeln gehen wenn nicht aus SW......

 

 

 

Dicht auf Gedser zugehalten gehts an der Dänischen Küste Richtung Westen. Gedser soll nicht allzu sehenswert sein, daher gehen wir daran vorbei und wollen weiter. Ist auch kein Wetter, wir kommen langsam voran, Wind, Welle und Strom von "fast" vorn. kennen wir ja schon und erwartet hatten wir auch nichts anderes

 

 

Der Ordnung halber, hier die Ansteuerung von Gedser.....

 

 

 

 

Windparks vor der Dänischen Küste. Die machen den doofen Wind, mal die Rotoren drehen...

Durch die Fehmarnsundbrücke ging es dann nach Heiligenhafen, wo wir im Regenschauer angelegt haben. Der Frust verflog als wir Manni und Uschi von der Passat entdeckten, die mit uns durch Zufall schon von Bremerhaven nach Kiel gefahren sind. Die Freude war jedenfalls groß. Die 2 haben die Westküste Schwedens verunsichert.

 

Samstag morgen ging mein erster Weg mit Rad zum Baumarkt, Auspuffkitt o.ä. holen. Der hat ein Rostloch und uns die ganze Zeit zugequalmt. Auch im Schiff mieft alles nach Ruß. Anfassen geht auch nix, Hände sind anschließend schwarz. Die Reparatur klappt, das Ding ist ersteinmal wieder dicht und der Rest vom Wochenende wird das Schiff umgekrempelt. Alles hat einen Rußschleier. Und der fährt mit uns nicht weiter mit.... Wir putzen 2 Tage bis das einigermaßen wieder geht. Die Finale Reparatur in VA4 dann im Winter. Kommt auf die Liste und steht da nicht allein....

 

 

 

 

Montag den 15. August gehts dann weiter gen Heimat. Wir sind uns beide einig das wir da hin wollen. Genug Strecke, genug Seefahrerei, genug erlebt und gesehen.

Hat sich aber gelohnt.

Mehr als das..

 

Die Kieler Bucht in der der Nord-Ostsee-Kanal beginnt.

 

Das Marinedenkmal Laboe, sollte jeder mal besucht haben. Das Bauwerk erdrückt einen, innen sind Tafeln mit gefallenen Matrosen die auf Booten / Schiffen / U-Booten in den beiden Kriegen ums Leben kamen. Zig-tausende Namenslisten, die schier endlos wirken. Der ganze Wahnsinn ist kaum zu erfassen.

Man schämt sich fast als Freizeitkapitän wenn man vor Augen geführt bekommt wie viele Menschen auf See ums Leben gekommen sind, und das so sinnlos.

 

Wir waren vor 3 Jahren mal dort als wir die Dänische Südsee erkundet haben

 

 

 

Vor der Schleuse Kiel-Holtenau haben wir etwas warten dürfen, gegen 16.00 Uhr waren wir da und 2,5 Stunden dümpelten wir da rum. Mit etwa 15 anderen.... Das war da wie auf der Autobahn, man geht als Sportboot mit der Großschifffahrt ins Schleusenbecken, nur muss das passen. Sind die Pötte zu groß geht das nicht. Und die waren zu groß.

Bis auf den blauen auf dem Foto mit dem wir und die anderen reinkonnten.

 

 

 

 

 

In der Schleuse Kiel-Holtenau.

Bilder der Kanalfahrt. Wir sind mit Dunkelwerden zum Borgstedter See, 5km vor Rendsburg und haben die Nacht dort geankert. Auf dem Kanal darf nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefahren werden, zumindest für Sportboote. Ist Nachts sicher auch gruselig.

Dienstag früh um 8.00 dann weiter nach Brunsbüttel

 

 

Ein Lotse geht an Bord

 

 

 

 

 

Das Tor zur Nordsee, Schleuse Brunsbüttel.

Hier ging es sehr schnell, Wartezeit etwa 30min.

Wir sind bis Cuxhaven. wo sich Monis Kollegin Birgit zu Besuch angemeldet hat.

 

 

 

 

 

 

In der Marina Cuxhaven gibts W-Lan, das super funktioniert. Empfang in der hintersten Ecke. Leider ohne Internetverbindung, da aktuell die Telekom den Vertrag umgestellt hat, aber kein Router geliefert wurde. Die Hafenmeisterin war ganz verzweifelt. Servicewüste Deutschland.

In Polen, Lettland, Littauen, Estland, Finnland und Schweden lief das unendlich besser.

Man fragt sich wo diese Arroganz deutscher Großunternehmen herkommt und womit diese gerechtfertigt ist.

Selbst auf den finnischen Schären in "Henriks Garden" konnten wir z.B. mit Visa zahlen, mitten im Wald. Bei Rotwild und Plumsklo. I-Pad und Kartenlesegerät hatte genügt.....

 

 

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung hat auf Helgoland offenes W-Lan. Ich kanns kaum glauben....

Und das funzt, sonst wäre diese Seite nicht entstanden. Danke liebes WSV. Ein Anfang ist das jedenfalls, und das hier wo ich es nun wirklich nicht erwartet hätte. Die Marina Heiligenhafen wollte 9,-€ pro Tag, das sind 3 Fischbrötchen!!!! Ganz klar wo meine Prioritäten liegen.

Der Mittwoch, 17.8. bringt laue Lüftchen und Sonnenschein. Helgoland steht auf dem Speiseplan. Bis 19.August wollen wir bleiben und das folgende Wochenende, an dem sich das nächste Schlechtwetter einstellen soll, dann auf Langeoog verbringen. Und dann gehts wirklich nach Hause.

Über Wangerooge, Horumersiel, Bremerhaven oder so ähnlich.

Ganz so eilig haben wirs denn doch nicht obwohl es schön ist wieder hier zu sein.

 

Die Düne ist natürlich obligatorisch, die "Dicken" liegen wie erwartet überall rum und gammeln in der Sonne. Auf den Schildern steht 30m Abstand halten. Nur halten sich ausschließlich die Menschen daran.

 

Das Wasser hat etwa 20°C, Badewetter für Mensch und Tier.

 

Sehr schön konnte das gemeinsame Schwimmen von Hominidaen der Gattung Homo sapiens  und Carnivora der Gattung Halichoerus grypus (die gemeine Kegelrobbe) beobachtet werden.

 

Die sind derart zutraulich das z.T. die Schwimmer angestupst worden sind. Wir wollen doch alle nur spielen......

Zu welcher Gattung gehört welcher Kopf?????????

Am 18. August gehts weiter nach Langeoog. Wir befinden uns ja im Haustürrevier, zu entdecken ist nichts was man nicht schon kennt, aber wunderschön ist. Das der der Teil Urlaub der Reise der nun beginnt und fast zu kurz kommt.

 

 

 

 

 

Am 19. August verlassen wir 07.00 Uhr Helgoland. Wind aus SW, 2 Bft motoren wir mal wieder Richtung Langeroog. Die Fischsuppe im Hafenrestaurant "Kajüte" ist der Magnet.

 

Tschüß Helgoland, immer wieder gern besucht.

 

 

Nicht "Malen nach Zahlen" sondern  "Fahren nach Besen" heißt es nun wieder.

Naja - manchmal. Ein Stückchen vielleicht. Wenn es denn sein muss.....

Mit 1m Tiefgang muss ich das ja nicht immer, schon gar nicht zu Hochwasser.

 

Querfeldein ist und bleibt eben Querfeldein.

 

Beim Dümpeln mit wenig Wind treffen wir auf Unnösel und Pappnase, beide Schiffe mit Ziel Langeoog. Bekannte Gesichter verbreiten bei uns echte Freude, der Mensch ist eben ein Herdentier. Wir befeiern unser Treffen im Restaurant "Kajüte" mit lecker Essen und  Bier und danach weiter an Bord, das Wochenende verbringen wir gemeinsam. Und dann geht es aber wirklich heimwärts....

 

Vor 3 Monten und 3 Tagen ging es los, das war Pfingstmontag, 1/4 Jahr das wie im Flug verstrichen ist.

So gesehen kann ich mit Einstein seiner Relativitätstheorie in Bezug auf Zeit etwas Anfangen.......

 

 

 

 

Das Wochenende 19 -21 August auf Langeoog ist zum gammeln da, Wetter ist mal wieder durchwachsen und etwas kühl. Sonne und Regen wechseln sich ab.

Weiterfahren ist eh nicht so einfach.

Wasser weg...............

Montag war nun wieder Reisetag und da wir auf Wangerooge gefühlt etwa 100 Jahre nicht waren steuerten wir auch Wangerooge an.

In den 100 Jahren ist aber einiges passiert, der Verein betreut nun den Anleger der Gemeinde mit, Liegegeld hat sich nun verdoppelt und es gibt Stromanschlüsse und Wasser auf den Stegen. Aber erst nach Münzeinwurf......

Im Ort selber wie immer. Zumindest ist uns nichts aufgefallen.

Wangerooge ist hübsch, besonders für Kinder.

 

Allerhand Getier flog da an der Strandpromenade rum. Das die Dinger fliegen können......

Dienstag, 23. August dann weiter nach Horumersiel. Unser kürzestes Etmal der Reise mit sagenhaften 11 Seemeilen. Wir sind dort hin, da wir wohl nächstes Jahr im Juni irgendwann das Schiff dort hochbringen wollen für den Sommer. Zum Start auf die Inseln oder Segeln in der Jade ist der Hafen super. Und der Blick auf das Wasser oder  Watt unbezahlbar. Wind mit 2 Bft aus SW habe ich zum 2.mal auf der Reise den Spinnacker ausgepacken können. Das 1.mal hat das 10min. gedauert und ein Regenguss hat das beendet. Anschließend hatte ich nur einen nassen Sack im Vorschiff. War in Schweden. Dieses mal aber fein von Wangerooge bis Horum mit 3kn, haben ja Zeit und nix weiter vor....

 

Mittwoch Mittag dann weiter in die Weser, nach Bremerhaven und Abends ins Lloyds. Die Spare Ribs dort sind die Besten der Welt und versprochen war das.

Bei halber Tide aus Horumersiel, Niedrigwasser war 4dm weniger als normal.  Wir buddeln uns aus dem Hafenschlick und los gehts.

 

 

 

 

Die dicken Dinger liegen auch zum Winken an der Hafenzufahrt und verabschieden uns bis nächstes Jahr.

Wie bestellt...

 

 

25.8.16

Heute endet die Reise.

Wir sind in Bremerhaven und bei "viel zu warm" knippert Moni die Gastlandfähnchen zusammen, die müssen ja dann an die Saling wenn wir im Verein aufschlagen. Niedrigwasser ist gegen 13.30 Uhr, zwischen 18.30 und 19.00 Uhr werden wir wohl ankommen

 

Moni wäscht gerade lieb das Frühstücksgeschirr ab und aus dem Handy von Ihr brüllt irgend ein  Sommer-Sonne-Song in Handy-Hifi.... Wunderbar

Wir nähern uns wohl dem zu Hause....

 

Auf der Lesum kamen dann die gebastelten Werke an die Saling.

Ganz schön lange Kette die Fähnchen, waren selbst etwas erschrocken.

Von oben nach unten

Bremen

Polen

Litauen

Lettland

Estland

Finnland

Aland

Schweden

Dänemark und

Helgoland

 

Für viel mehr ist der Mast nicht hoch genug.......

Etwas Statistik zum Schluss

 

97 Tage waren wir unterwegs und davon

53 Tage auf See mit insgesamt 2108 Seemeilen

Unser längstes Etmal war

115 Seemeilen von Hel nach Kleipeda und das kürzeste mit

11 Seemeilen von Wangerooge nach Horumersiel.

 

Den teuersten Diesel gab es mit

1,65€ in Helsinki und in Sömmera sowie

0,85€ auf Helgoland und beim Liegegeld waren wir mit

32,-€ in Mariehamm und

9,-€ auf Baabe / Rügen am Start.

 

Damit endet unser Sommer2016. Irgendwie versuchen wir die ganze Zeit das mal zusammenzufassen wie das so ist.

Ich versuche es mal....

 

Ganz viele Eindrücke, ganz viel gelernt über unsere Nachbarn und uns selber.

Traurig das es zu Ende ist eher nicht,

Glücklich aber darüber das wir nur positive Erlebnisse hatten und ganz viel Dankbarkeit dafür das wir das machen konnten.

 

Und dankbar das uns Linius treu und zuverlässig einmal im Kreis rumgeschaukelt hat. Und immer ein sicheres Gefühl vermittelte. Ein tolles Schiff, keine Frage.

 

Wir trafen jede Menge nette, höfliche und neugierige Menschen die uns helfen wollten, sich für uns und unsere Geschichte interessierten, ein Stück des Weges mit uns waren und uns begleiteten. Die Sorgen und Nöte sind und waren überall die selben. Und wenn ich eines verstanden habe ist es das es ein gewaltiges Geschenk ist was wir Europa und EU nennen.

Vor wenigen Jahren noch währe das so nicht gegangen.

Das dürfen wir alle nie vergessen....