Helsinki, Freitag, 1.7.16

Die Überfahrt, etwa 45sm war unspektakulär, wenig Wind, die Maschine war fast immer an, 6-10 kn Wind sind zu wenig um nur zu segeln. Vor Helsinki sind etwa 15-20sm die ersten Schären, auf dem Weg von Tallin nach Helsinki haben uns wohl gefühlt 10-15 Fähren und Schnellkatamarane überholt. Wie auf der Autobahn. Wie die dicken Pötte durch die Schären gehen das ist sehenswert. Hut ab.

Sonne satt und wohl gut 25°C erwarten uns hier. Liegegeld am Steg 20€, bis Sonntag werden wir wohl bleiben.

Stadtansichten von Helsinki. Heute war in der Innenstadt sowas wie Christopher-Street-Day. Schön bunt und schrill... Und laut natürlich. Ansonsten ist Helsinki quirlig, ungemein teuer und recht "modern", viele Gebäude klassizistisch. Hängt wohl mit der Geschichte zusammen, Helsinki ist eine junge Stadt, erst 1550 von den Schweden als Konkurenz zum hanseatischen Tallinn gegründet, 1710 von der Pest fast ausgestorben, 1713 während der Nordischen Kriege niedergebrannt, bei der Erobeberung durch Russland 1808 abermals fast komplett niedergebrand und kam danach unter russische Verwaltung. 1812 wollte der Zar Alexander die damalige Hauptstadt Turku durch Helsinki ersetzen, Turku lag Ihm zu weit von St.Petersburg weg. Ein deutescher Architekt wurde beauftragt und entwarf das klassizistische Stadtzentrum. Seit 1917 ist Finnland souverän.

Mit Helsinki sind wir recht schnell fertig gewesen, zum Einen da wir inzwischen keine Städte mehr sehen wollten und zum Anderen lockten die Schären, auf die wir sehr neugierig waren und noch sind. Am 3.6. hatten wir uns daher Bockfjärden ausgesucht, eine Bucht oder so ähnlich inmitten der Inselwelt. Insgesamt besteht das Gebiet aus geschätzt 20.000 - 50.000 Inseln, die keiner zählen kann, da einige kaum aus dem Wasser gucken, andere sind bewohnt, haben Sommerhäuschen und Steganlagen. Eine Bilderbuchwelt umgeben von Sonnenschein und freundlich gutgelaunten Finnen.

 

Zum Thema Sonnenschein, das Barometer fällt und fällt, aktuell 995hpa, volles Tiefdruckgebiet, Wind in 5Btf aus West und die Sonne grinst ungebremst aus dem Himmel. Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Jegliche tiefhängenden Wolken schaffen es im Regelfall nicht über die norwegischen Bergekämme, regnen  vorher ab und sind anschließend trocken genug oder aufgelöst. Wenn es im Winter nicht so kalt wäre, dann friert die Ostsee komplett zu. Brauchst du Schneemobil......

Bockfjärden

Wir sind mit der "Blue Spike" derzeit unterwegs, Heimathafen Köln. Da der Wind immer weiter zulegt hatten wir uns mal wieder einen Stegplatz ausgesucht. Auf kleinstem Raum gibts hier "Sandis-Cafe" mit Steg, Tankstelle, einen Einkaufsladen, Minigolfanlage und das im Umkreis von 100m. Der Rest Wald und Natur vom Feinsten. Und hier ist richtig Betrieb. Fürs Liegen waren 10,-€ fällig, Bier im Plastikbecher 5,50€, Liter Diesel 1,49€, Benzin 1,58€. Den ganzen Tag über kamen Finnen in kleinen Booten, kauften hier ein, tankten Ihr Boot, tranken ein Bier etc. und verschwanden wieder Richtung Sommerhaus. Einige fragten uns woher, wohin und gaben Tipps für die Weiterfahrt. Sehr höfliche und nette Menschen. Muttis mit kleinen Mäusen, 3 oder 4 Jahre sprangen vom Boot, belegten die   Klampen mit Leinen und vertäuten das Schiff usw. Wie es scheint können die "Das" bevor Sie radfahren können.

Da kann so mancher was lernen....

 

 

 

Herzhäuschen im Wald......

 

 

Briefkasten, Häuschen dazu war etwas im Wald versteckt....

 

 

 

Weiter gehts dann nach Sommarö, Koordinaten stehen ja auf dem Bild...

Der Wind wird weiter zulegen, 7 Windstärken in Böen 8, so das wir vorerst hier auf Besserung warten werden. Sollte nicht allzu schwer fallen......

Sommarömarina ist eine kleine Marina, in der wir wohl die bunten Vögel sind. Zumindest wehen außer der unsrigen nur finnische Flaggen an den Schiffen. Hier gibts einen Motorenservice, Lebensmittelshop der fast unbezahlbar ist (kleine Dose Bier 1,50€,1,5l Sprite 3,29€) Tankstelle mit Diesel zu 1,56€, Benzin 1,62€, kleines Restaurant, fängt mit 17,-€ an, was auch immer es dafür geben mag..... und gegen Nachmittag war es voll. Richtig. Päckchen bauen ähnlich wie in der Nordsee.... Aber alles sehr gepflegt, sauber und niedlich anzuschauen.

In der Bucht hier liegt man aber sehr geschützt. 22,-€ Liegegeld, Strom 5,-€.... Zum Abwettern ist das gut

Autos und Briefkästen für die Sommerhäusler. Von hier wird dann wohl in die Inselwelt gestartet...

Bisschen neidisch darf ich wohl sein

Hauensuoli ist eine kleine Schäre vor Hankö. Bis ins frühe 19.JH war Hankö unter den Schweden Hauptstadt der Provinz Finnland, danach kam der Zar und wollte Helsinki zur Zentrale ernennen, liegt näher an St. Petersburg. In der Zeit davor herrschte reger Schiffsverkehr vor Hankö und auf Reede hatten die Matrosen viel Zeit wenn Sie auf den richtigen Segelwind warten mussten. Und so verewigten sich die Schiffsbesatzungen im roten Granit. Die Inschriften sind so zahlreich das man nicht alles fotografieren kann, es liest sich wie ein Geschichtsbuch. Älteste Einmeißelung war 1621...

(Leider haben wir Hippo nicht gefunden, wer Röver gelesen hat. Haben aber gesucht...)

In Hankö war am WE Regatta, der Hafen platze aus allen Nähten und so begnügten wir uns mit der Ansicht von See. Verpasst werden wir eher nichts haben. Hauensuoli war sicher bedeutender und Stadtmüde sind wir auch..

 

 

 

Dichter Nebel als wir nächsten Morgen weiter wollten. Ziel ist die Schäre Borstö. Nützt ja nichts. Also das Radar an und hoffen brav gewesen zu sein und auf gings. Mittags war der Spuk vorbei, die Nebelwand wie abgesägt und die Sonne grinste uns breit ins Gesicht. Mal wieder Zeit für die Sonnenmilch. Bisher fast täglich im Gebrauch....

Borstö war unser letzter Aufenthalt im finnischen Teil der Schären, sofern Alands und Finnland als verschiedene Länder angesehen werden sollen. Obwohl die Alands politisch zu Finnland gehören sind Sie autonom. In Sachen Bildung, Kultur etc. entscheidet die Regierung des Inselstaates selber, Justitz, Polizei etc.ist dem finnischem Recht entsprechend.Währung ist für beide der €. Die Alands sind entmilitarisiert, Armee sucht man hier vergebens. Wozu auch. Außenpolitische Entscheidungen kann die finnische Regierung über die Alands auch nur mit deren Zustimmung treffen, Finnland erhebt Steuern und stellt der Inselgruppe auch finanzielle Mittel  zur Verfügung. Irgendwie so soll das funktionieren. Jedenfalls für uns mal wieder Zeit ein neues Gastlandfähnchen Steuerbord zu hissen.